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Anmerkungen zum Thema Stil und Form im Jagdsport!


In der vergangenen Zeit ist es mir leider vermehrt aufgefallen, dass die stilgerechte Jagdgarderobe auf offiziellen Veranstaltungen mehr und mehr in den Hintergrund gerät. Das Reiten mit karierten Trainingsreithosen, das Tragen von lockeren Poloshirts oder T-Shirts zur Jagd (zwar war es zu dieser Zeit sehr heiß, allerdings kann man auch hier Weste und Plastron ergänzen) sowie der rote Rock mit weißer Turnierkrawatte und vieles mehr, bis hin zum roten Turnierjacket gar ohne Plastron, fällt negativ auf. Zur Jagd gehört genauso ein korrekter und geputzter Reitstiefel wie ein gut trainiertes Pferd. So geschehen nicht nur bei Nachwuchsreitern, die man natürlich nicht verärgern und dadurch vom Jagdsport „vergraulen“ möchte, bis hin zu „Jägern“, die bereits einige Jahre hinter den Hunden reiten. Dies ist keine große Summe, kommt dennoch von Nord nach Süd und von West nach Ost durchaus leider vor, was so nicht im jagdlichen Sinne ist. Keineswegs im Sinne der Tradition, des Brauchtums und der Pflege gegenüber unserer Jagdkultur. Jeder, der in den „Jagdsattel“ steigt, trägt die Verantwortung gegenüber jener Tradition, Brauchtum und Kultur, was über die Jahrhunderte gewachsen ist, sich etabliert hat und erhalten werden muss. Die Sitten, die unseren Sport ausmachen, sind das, was es gilt aufrecht zu erhalten. Zu Leben und vor allem richtig weiterzugeben. Es beginnt beim Training von Pferd und Hund. Geht weiter über die Haltung gegenüber sämtlichen Landwirten und Jagdpächtern sowie unseren Jagdherren, bis hin zum korrekten Tenue – der stilgerechten Kleidung zur Jagd. Das historische Jagen der Aristokratie hoch zu Ross hätte eine nicht jagdkonforme Kleidung sicherlich nicht geduldet.

Es soll an dieser Stelle weder mit erhobenem Finger gesprochen, noch belehrt werden. Dennoch finde ich, kann das Thema der korrekten Kleidung zur Jagd durchaus etwas sensibilisiert werden. Wer als Fußballspieler das Fußballfeld zum offiziellen Spiel betritt, der trägt Trikot, Hose und Stutzen sowie den Fußballschuh.  Getreu dem Spruch „Schnaps ist Schnaps und Dienst ist Dienst“, kann man schlichtweg sagen „Jagd ist Jagd“. Und sobald zur Jagd gefahren wird, wird ausschließlich das korrekte Jagdtenue gepackt. Auch zur warmen Jahreszeit, bei der durchaus Jagden geritten werden, gehört Hemd/Bluse, Plastron/Krawatte (ausgenommen die Turnierkrawatte) und Weste sowie ein leichtes Tweedjacket zur regulären Ausstattung eines jeden Jagdreiters. Über das Thema Marscherleichterung streitet man nach wie vor, soll aber hier nicht der Diskussion dienen. Eine erste Abweichung der Sitte haben wir bereits beim roten Rock  – wer bekommt diesen hierzulande noch klassischerweise (wohlgemerkt für faires, korrektes und vorbildliches Reiten vieler Jagden) verliehen? So gut wie niemand. Wer trägt ihn hierzulande? So gut wie jeder. Mir kommt es so vor, dass viele denken, zur Grundausstattung eines guten Jagdreiters gehört ein roter Rock. Was für mich Grund genug ist, meinen verliehenen roten Rock nur noch bei besonderem Anlass zu tragen.

Nachwuchsjagdreiter, die gerade Gefallen an unserem Sport finden und rund zwei bis drei Jagden per anno reiten, müssen sich sicherlich nicht gleich im ersten Jahr ein teures und komplettes Tenue für Frühjahr und Herbst zulegen. Können aber dennoch fachlichen Rat suchen und dadurch langsam und richtig in die Sache hineinwachsen. Nur, woher soll der potentielle Nachwuchsreiter wissen, was falsch und was richtig ist, wenn mehr und mehr unvollständige bzw. halbrichtige Garderoben zu sehen sind?

Nicht lediglich der Besitz eines roten Rocks macht den Reiter zum vollkommenen Jagdreiter. Dazu gehört für mich Horsemanship, korrektes und gutes Reiten. Fair gegenüber Pferd, Hund und der Natur als auch dem Jagdfeld sowie die gelebte Sitte, das gelebte Brauchtum und die gelebte Tradition der jagdlichen Etikette und Geschichte.

Anders gesagt – der Erwerb eines Jagdscheines macht seinen Besitzer noch lange nicht zum waidgerechten und passionierten „Grünen“ Jäger.

              

Philipp Jakob            

Oktober 2016